Von wegen sauber!

Darum riecht es im Schwimmbad wirklich nach Chlor

Anna Hackbarth, 01. Juni 2017

Der typische Chlorgeruch gehört genauso zum Schwimmbad dazu wie die Pommes Rot-Weiß vom Freibadkiosk. Was aber keiner weiß: Die Chemikalie ist eigentlich geruchlos. Dass es dennoch riecht, hat einen ziemlich ekeligen Grund...

Chlor wird dem Schwimmbadwasser beigemischt, um Keime abzutöten. Diese entstehen durch die Badegäste, welche Haarschuppen, Hautpartikel, Schweiß, Speichel, Sonnencreme und Kosmetika mit ins Wasser reinbringen. Da möchte man meinen, ein Schwimmbad, das stark nach Chlor riecht, sei besonders hygienisch. Doch das Gegenteil ist der Fall.

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Chlorgeruch kommt von pinkelnden Gästen

Die Chemikalie an sich riecht nämlich eigentlich nach gar nichts. In Verbindung mit anderen Stoffen entsteht allerdings der typische Chlorgeruch, den wir alle kennen. „Wenn es stark nach Chlor riecht, heißt das, dass viel Harnstoff ins Wasser eingetragen wurde“, erklärt Alexander Kämpfe, Fachgebietsleiter für Schwimm- und Badebeckenwasser beim Umweltbundesamt (UBA).

Wenn Harnstoff, der übrigens an sich auch geruchlos ist, auf „freies” Chlor trifft wird daraus „gebundenes“ Chlor, welches dann sehr stark reicht. Und je mehr Harnstoff im Wasser enthalten ist, desto höher ist auch die Konzentration dieser Chlorverbindung, auch Trichloramin genannt, und desto stärker ist der Geruch. Na, lecker!

Bitte Abduschen!

Klingt natürlich erst einmal unappetitlich, macht die Chemikalien aber umso wichtiger, um Krankheitserreger im Wasser abzutöten. Laut dem Umweltbundesamt beträgt die Konzentration in deutschen Bädern standardmäßig 0,3 bis 0,6 Milligramm Chlor pro Liter Badewasser. An besonders heißen und sonnigen Sommertagen kann die Dosis auf bis zu 1,2 Milligramm pro Liter erhöht werden. Chlor baut sich unter UV-Strahlung schneller ab. Zudem wird das Wasser durch die erhöhte Anzahl von Badegästen stärker verschmutzt.

Sind wir also alle heimliche Beckenpinkler? Der Harnstoff im Wasser stammt zwar zum großen Teil vom Urin, muss aber nicht zwangsläufig bewusst abgegeben worden sein. So verliere jede gesunde Blase schonmal ein paar Tropfen beim Plantschen, wie Jörg Rosbach von den Frankfurter Bäder-Betrieben erklärt. Zudem gelangt Harnstoff auch über die Körperoberfläche ins Becken. Als Bestandteil der Haut wird er über Kosmetik und Schweiß beim  Schwimmen ausgewaschen. Daher auch das Gebot vor dem Sprung ins kühle Nass zu duschen. Wer sich vorher abbraust, verteilt anschließend weniger Harnstoff, der über die Haut ausgeschieden wird, im Wasser. So heißt es in eine Infoblatt für Schwimmbäder des Umweltbundesamts: „Gründliches Duschen entfernt 75 bis 97 Prozent des Harnstoffs.“

Folgen für die Gesundheit

Gesundheitsschädlich sei die ekelige Pipi-Chemikalien-Mixtur aber für gesunde Menschen grundsätzlich nicht. Zwar reize den enthaltene Schadstoff Trichloramin die Augen und Atemwege, die davon hervorgerufenen Atembeschwerden seien jedoch nur für Asthmatiker und extreme Allergiker wirklich bedenklich. Die gesundheitlichen Folgen, die ein Verzicht auf Chlor jedoch nach sich ziehen würde, seine weitaus gravierender. „Chlor ist in Ordnung”, so der Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte (bvkj) Hermann-Josef Kahl aus Düsseldorf, „ohne Chlor wären die Gefahren größer.”

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