Berlin Fashion Week

Steht die Modewoche vor dem Aus?

Pia Sundermann, 20. Januar 2017

Die Berlin Fashion Week ist seit 2007 die wichtigste Modeveranstaltung in Deutschland. Oder sollte man eher von „war“ sprechen? Denn seit einiger Zeit wirkt die Modewoche verhaltener als sonst, besonders spürbar war das jetzt. Steht das Event vor dem Aus? Und was sagt eigentlich der Hauptsponsor Mercedes-Benz dazu? STYLEBOOK.de hakte nach.

Das Tuschelthema der aktuellen Fashion Week Berlin: Die Mercedes-Benz Week soll die Zelte in der deutschen Hauptstadt abbrechen. Und das ist nicht nur wortwörtlich gemeint! Zum ersten Mal fand die Fashion Week jetzt im Januar (17. bis 21. Januar 2017) nicht im Zelt am legendären Brandenburger Tor statt, sondern im Kaufhaus Jandorf in Berlin-Mitte. Ohne Frage, eine ungewöhnliche Location. Hier fanden schon tolle Partys statt – und genau das ist der Punkt. Der neue Veranstaltungsort ist kleiner, rougher, dreckiger - eben typisch Berlin. Aber reicht das für eine Fashion Week in Deutschland, die gerne mit den Big Playern der Branche wie mit New York mitspielen will?

Ist Berlin zu rau für die Fashion Week?
Denn in der US-Metropole, wo auch die Fashion Week von Mercedes-Benz gesponsert wird, zeigen überwiegend amerikanische Designgrößen wie Ralph Lauren, Tommy Hilfliger oder Michael Kors. In Berlin verschwanden immer mehr deutsche Labels ins Ausland: Die Marken-Zugpferde Hugo Boss und Escada zeigen lieber in New York, die deutschen It-Labels Lala Berlin und Kaviar Gauche präsentieren seit einiger Zeit in Kopenhagen bzw. in Paris und die Design-Lieblinge Michael Michalsky (49) und Guido Maria Kretschmer (51) setzen (erst einmal) eine Runde aus. Stattdessen zeigen viele Jungdesigner, die leider allzu schnell wieder in Vergessenheit raten.

Ist Berlin ein zu raues Pflaster für die zart besaitete Modebranche? Oder ist es für die selbsternannte „Arm, aber sexy“-Metropole einfach zu teuer? Die Preise sind nicht bekannt, doch die Location am Brandenburger Tor dürfte um Einiges mehr gekostet haben als das Kaufhaus Jandorf.

Auch die Modefachmesse Bread & Butter, die letztendlich die Modewoche in Berlin mitgründete, schloss ihre Messetüren Ende 2015. Durch den neuen Käufer Zalando kam es zwar 2016 zu einem Comeback, allerdings wird nun die Modemesse als „Modefestival“ für Endkonsumenten vermarket.

Hoffnungsschimmer Kronprinzenpalais
Was dieses Jahr auch auffiel: Das Fehlen internationaler Promis. Außer Kate Bosworth (34), Ehrengast bei Marc Cain, waren die Front Row-Plätze nur von deutscher Prominenz besetzt. Ob das damit zusammenhängt, dass es erstmalig keine große Kampagne von Mercede-Benz gab? Deren Star-Testimoninals wie Georgia May Jagger (25), Karlie Kloss (24) oder Doutzen Kroes (31), waren sonst die Ehrengäste der Mercedes-Benz Fashion Week. Auf STYLEBOOK.de-Nachfrage, warum es dieses Jahr keine begleitende Kamapagne gibt, lässt sich Mercedes-Benz wie folgt zitieren: „In diesem Jahr werden wir ein leicht modifiziertes Kampagnenkonzept im Frühjahr 2017 vorstellen, das nicht wie in früheren Saisons in Aktivierungszeitraum während der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin gepasst hat. Unser Mode-Engagement findet auf über 50 Plattformen in mehr als 30 Ländern statt und für 2017 hat sich thematisch und zeitlich eine andere Plattform angeboten.“ Aber wie geht es nun weiter?

Seit 2014 hat sich der „Berliner Mode Salon“ im edlen Kronprinzenpalais unter den Linden etabliert – und zwar mit Erfolg! Hier sind die wichtigsten Journalisten und Einkäufer aus der ganzen Welt zu treffen, so wie jetzt. Der Erfolg ist sicherlich der deutschen „Vogue“-Chefin Christiane Arp (55) zuzuschreiben, die den Salon gründete. Sie wollte der deutschen Modewelt durch die Form einer Gruppenausstellung ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl geben, was besonders jungen Designer zugute kommt.


Die Zukunft der Berlin Fashion Week
Gegenüber STYLEBOOK.de verriet Michael Bock, Director für Mercedes-Benz Sport- & Lifestyle Marketing: „Unser Vertrag läuft nach der Sommersaison im Juli 2017 aus. Wir sind aber bereits in Gesprächen bezüglich einer weiteren, künftigen Zusammenarbeit. Denn auch in Zukunft wollen wir das Thema Mode in Deutschland unterstützen und fördern.“

Scheint ganz so, als müsste sich die Berliner Modewoche schnellstens neu positionieren. Mit dem „Berliner Modesalon“ gibt es zumindest einen guten, wenn auch kleinen Schritt in die richtige Richtung. Ob das reichen wird, um der Berliner Fashion Week einen festen Platz in der internationalen Modewelt zu geben, muss sich zeigen.