Photoshop-Experiment

Die Geschichte hinter diesem Magerfoto

23. Januar 2017

Zwei auffällig dünne Mädels mit Mega-Traummähnen, eine von ihnen mit Kuschelkätzchen auf dem Arm, im Hintergrund der Berliner Fernsehturm. Dass die Instagram-Gemeinde sich von diesem Schnappschuss begeistert zeigte, verlieh dem Foto eine gesellschaftskritische Wucht, die so ursprünglich gar nicht beabsichtigt war.

Speckröllchen entfernen, die Taille schmaler zaubern – dass Fotos mit diesen Tricks „perfekt“ gezaubert werden, ist kein Geheimnis. Schön ist, was den Idealen entspricht, so unrealistisch es auch sein mag. „Bekleidet“-Bloggerin Jana Wind und ihre Freundin Alix Müller (It‘sAlix.com) wollten das nicht akezptieren - und führten die grassierende Retuschier-Sucht mit einem selbst bearbeiteten Foto ad absurdum...

Haters will say it's photoshopped. 😎

Ein von Jana Wind (@bekleidet) gepostetes Foto am


Fake Bild schlägt Wellen
Wind und Müller sammelten vor der Bildbearbeitung die „Schlüssel zu Instagram“, also jene Signal-Attribute, die bei den Nutzern besondere Beachtung finden. Dazu gehörten Pastellfarben, Overknees, Haare – und offensichtlich extreme „Stengelbeine“, die das „Verflüssigen“-Werkzeug fast schon absurd dünn und lang schummelte.

Schockierende Reaktionen
Bereits die Bildbeschreibung der beiden Frauen - übersetzt so viel wie „Haters werden sagen, es sei Photoshop 😎“ -  verrät eigentlich, dass es sich hierbei um einen Scherz handeln muss. Der wurde aber offenbar vom Gros der Fans nicht erkannt: „Wow!“, „You look fabulous!“ oder „Ohhhhh diese Beine! Wahnsinn!!! 😍😍😍“ – nur kurz, nachdem Wind den „Schnappschuss“ gepostet hatte, überschlug sich die begeisterten Instagram-Gemeinde mit Wortmeldungen, es hagelte Herzchen- und Daumen-Hoch-Symbole.

Nur die wenigsten hatten begriffen, was tatsächlich hinter dem Bild steckte, darunter eine gewisse clinschen: „Erschreckend, wie viele das nicht nur normal, sondern auch erstrebenswert finden“. Damit spricht sie den Hobby-Fotokünstlerinnen direkt aus der Seele. Drei Tage (und tausende Likes) später postete Jana Wind ein anderes, unbearbeitetes Motiv aus derselben Foto-Session – und teilte ihre Gedanken zu dem unfreiwilligen Experiment mit.

  

Aktion geht viral
Der Hype um das Foto war damit noch lange nicht zu Ende: Nach der Aufklärung sharen etliche Nutzer(-innen) sozialer Netzwerke das Foto und ihren Standpunkt dazu, beispielsweise „Danke für dieses Experiment! Das zeigt einfach was für absurde ‚Standards‘ als ‚normal‘ gelten“ und „Richtig gut die Aktion!!! Ich hoffe die Message kommt bei allen an die vorher Herzchen-Smileys kommentiert haben“.