Langsam wird's zu bunt

Wieso lieben alle den Einhorn-Trend?

Friederike Ostermeyer, 09. Mai 2017

Einhorn-Wurst, Einhorn-Klopapier, Einhorn-Bier, Einhorn-Kondome, ... – die ganze (Marketing-) Welt dreht sich derzeit um das Fabeltier. Wo soll das noch hinführen? Und woher kommt der eigentlich der Hype, der sogar erwachsene Frauen wieder zum kleinen Mädchen werden lässt? STYLEBOOK.de klärt auf, was hinter dem Einhorn-Hype steckt.

Dass das Einhorn der neue Goldesel ist, hat im November letzten Jahres der Süßigkeitenhersteller Ritter Sport bewiesen, als er eine streng limitierte Einhorn-Schokolade auf den Markt brachte, die innerhalb von Minuten vergriffen war. Der Hype um die glitzernde Schoki wurde als Höhepunkt des Einhorn-Wahns gesehen. Doch Regenbogen-Pustekuchen! Damit ging es erst richtig los. 

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Einhorn drüber und fertig ist das neue Must Have

Ob Kleidung, Kosmetika, Getränke, Nahrungsmittel oder sogar Cafés – sobald ein neues Einhorn-Produkt auf den Markt kommt, bricht allgemeiner Jubel aus und die Netz-Welt wirft mit Glitzer um sich. Die Rechnung scheint einfach: Ein beliebiges Produkt nehmen, Einhorn drüber und fertig ist das neue Must Have. Das funktioniert selbst mit völlig „unmagischen“ Dingen wie Wurst, Bier oder Klopapier.


Einhörner waren schon immer Trend 

Es mag einige vielleicht überraschen, aber im Prinzip war das Einhorn schon immer ziemlich angesagt. Schon Philosophen der Antike wie zum Beispiel Aristoteles (384–322 v. Chr.) erwähnten das geheimnisvolle Wesen in ihren Schriften. Hildegard von Bingen beschrieb das Einhorn in ihren mittelalterlichen Arzneibüchern und Marco Polo  (1254–1324 v. Chr.) glaubte, ein Einhorn auf Sumatra gesehen zu haben (nah dran, es war ein Nashorn). 

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So zieht sich das Einhorn als mythologisches Wesen bis heute durch die Geschichte und nahm schließlich in einer wesentlich pummeligeren Version und aufgepeppt mit ordentlich Glitzer und Regenbogenfarben in den Kaufhaus-Regalen und Onlineshops Platz. 


Das Image vom Einhorn ist einfach unschlagbar

Wenn kluge Denker und Entdecker schon der Anziehungskraft des Einhorns erlegen waren, dann hat auch heute noch das Bekenntnis zum Einhorn eine lange Tradition. „Mythen haben uns schon immer Impulse gegeben. Und der Einhorn-Mythos ist besonders stark“, erklärt Trendforscher Prof. Peter Wippermann (67) vom Hamburger „Trendbüro“ gegenüber Stylebook.de. „Er funktioniert in der heutigen Gesellschaft, die so sehr von vielen Optionen und Individualismus geprägt ist, besonders gut.“ Das liegt vor allem an seinem großartigen Charakter. Das Einhorn ist edelmütig und gut, es ist rein, sanft und weise und es siegt am Ende über das Böse. Immer! Und selbst mit Magen-Darm-Problemen sind Einhörner noch süß, denn sie kotzen und pupsen ausschließlich Glitzer und Regenbögen. 

Was dann auch den Lieblingsspruch aller Einhorn-Fans: „Sei du selbst. Außer du kannst ein Einhorn sein – dann sei ein Einhorn!“

Das Einhorn kann für eine Minute heile Welt erschaffen

. „Es gibt einer unruhigen Gesellschaft, in der wir momentan leben, Halt. Es rüttelt tiefliegende Emotionen aus einer Zeit hoch als, der kindliche Kosmos noch vor der realen Welt geschützt und gleichzeitig in Sachen Phantasie unendlich war.“ Und unruhig, das ist die Welt allemal! Da kann einem ein Stück flauschiges Einhorn-Klopapier mit Zuckerduft schon mal eine Minute Weltfrieden vorgaukeln. 

Aus dieser Sehnsucht lässt sich natürlich wunderbar Profit machen. Darum wird das arme Einhorn vermutlich noch so lange durchs Marketing-Dorf getrieben, bis auch das letzte Alltagsprodukt „einhornisiert“ wurde.

„Das Ende des Hypes ist bald erreicht“, prognostiziert auch der Trendforscher Wippermann. Was kommt als nächstes? Den Flamingos zum Beispiel, fehlt als würdige Einhorn-Nachfolger der mythologische Zauber. Vielleicht sind danach endlich die Meerjungfrauen dran. Oder das Seepferdchen. Wer weiß das schon ...


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