... und Männer nicht

Warum finden wir unrasierte Frauen so verdammt unsexy?

Anna Hackbarth, 21. März 2017

Auch die fröhlich bunten Achselhaare einer Miley Cyrus (24) können nichts daran ändern – Körperhaare bei Frauen sind noch immer ein Tabu. Aber warum herrscht für Frauen ein so viel größerer Druck in Sachen Enthaarung als für Männer?

Madonna (58) und Töchterchen Lourdes (20) haben sie. Miley Cyrus färbt sich ihre sogar mit Vorliebe in knallbunten Regenbogenfarben. Und während Fitness-Bloggerin Morgan Mikenas nicht nur die Achselhaare fröhlich sprießen lässt, sondern sich bereits seit 2 Jahren kein einziges ihrer Köperhaare entfernt hat, lässt sich die Britin Rose Geil sogar einen Damenvollbart stehen.

Ob nun feministisches Statement, aus reiner Bequemlichkeit oder weil es eben gefällt – die Damen stehen zu ihrem Look und fühlen sich offenbar wohl. Doch längst nicht allen gefällt der Trend zum vollen Busch, wie auch unser Voting beweist.

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Lieber nackt als Pelz

Und auch die Reaktionen in den sozialen Netzwerken lassen kein gutes „Haar” an dem unrasiertem Look der US-amerikanischen Bloggerin. „Künstlich ist schöner. Weg mit dem Schei?”, schreibt eine Userin, während eine weitere Kommentatorin bemerkt: „Die Beine sehen aus wie von einem Mann“ — stellt eine andere die durchaus berechtigte Frage: „Achso und Männer dürfen so rum laufen?“ Ja, warum finden wir Körperbehaarung eigentlich nur bei Frauen so unsexy?

Männer hui, Frauen pfui

Die Sean Connerys, Robbie Williams’ und Hugh Jackmans dieser Welt hopsen schließlich damals wie heute mit behaarter Brust und Vollbart über Leinwände, roten Teppiche und Sandstrände. Gestört fühlt sich davon niemand. Dank des sich immer weiter ausbreitenden Hipsertums erfuhr die volle Gesichtsbehaarung bei Männern in den vergangenen Jahren sogar eine wahre Rennaissance. Wohingegen Frau dazu angehalten ist, schon panisch zum Wachs zu greifen, wenn sich auch nur ein Hauch von Flaum auf der Oberlippe erahnen lässt.

Evolutionsbedingter Druck

In einem Interview mit jetzt.de gibt Winfried Menninghaus, Direktor der Abteilung für Sprache und Literatur des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik, über dieses Thema  Aufschluss. „Die pausenlose Konfrontation mit Bildern von Models in allen möglichen Medien ist wie Gehirnwäsche. Heute sind die Ikonen der Schönheit hochgradig unrealistische, artifiziell aufbereitete Bilder. Vor der Erfindung von Fotographie und Druck war das anders: Man sah hauptsächlich die Menschen, die man persönlich kannte. Durch sie wurde das Schönheitsbild geformt. Die waren natürlich weniger unrealistisch als die Bilder, die uns heute die Medien vermitteln“, erklärt der Experte.

Warum diese unrealitischen Schönheitsideale vor allem hinsichtlich der Körperbehaarung Frauen stärker betrifft als Männer, erklärt Menninghaus mit einer Theorie des englischen Naturforschers Charles Darwin. Der Fachmann erklärt: „Die sexuelle Selektion hat der weitergehenden Körperenthaarung bei Frauen einen sexuellen Signalwert gegeben. Deshalb stehen Frauen in Sachen Enthaarung schon evolutionsbedingt unter größerem Druck als Männer.”

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