Billig-Angebote bergen Gefahren

Das sollte eine gute Brust-OP kosten

Laura Pomer, 08. Februar 2017

Sie möchten sich den Busen vergrößern oder verkleinern lassen? Dann sollten Sie sich gut informieren! In den vergangenen Jahren haben viele Frauen wegen der aktuell extrem günstigen Preise für eine Brust-OP den Schritt gewagt. Allerdings bereuen nicht wenige ihre Schnäppchen-Brüste bitterlich: STYLEBOOK.de verrät, was Sie über den undurchsichtigen Schönheitsmarkt unbedingt wissen sollten.

Ein neuer Busen – früher blieb dieser Wunsch für zahllose Frauen unerfüllt, die Kosten für eine Vergrößerung oder Verkleinerung waren einfach zu hoch. Seit einer Weile sieht das jedoch anders aus: Laut einer gemeinsamen Reportage der Zeitung „Welt“ und des TV-Magazins „Frontal 21“, die am Dienstagabend im ZDF ausgestrahlt wurde, sind die Preise für Brustoperationen aktuell auf dem Tiefstand. Mit nicht selten fatalen Folgen!

Brust-OPs boomen
Wie die Redakteure herausfanden, führen zweifelhafte Kliniken den Eingriff zum Dumping-Preis durch - auch in Deutschland. Dadurch können sich immer mehr Frauen die OP leisten. Einer Erhebung des Spezialzentrums für Ästhetische Chirurgie (ACREDIS) zufolge sind Brustvergrößerungen die zweithäufigste plastisch-chirurgische Maßnahme unter Frauen im Alter zwischen 20 und 40, gleich nach der Fettabsaugung. Bruststraffungen oder -verkleinerungen landen auf Platz drei.

Unter Dumping-Preisen leidet die Qualität
Patientinnen zahlen in Billig-Kliniken oftmals die Hälfte dessen, was früher fällig gewesen wäre – und sind danach doppelt unglücklich. Zu dieser Erkenntnis kamen „Welt“ und „Frontal21“ nach der Bearbeitung von 12 Patientenfällen und der Befragung von Branchenexperten. So bestätigt etwa Patricia Schmidt, Betreiberin des Schönheitsportals „Porta Estetica“, dass nach rund 14.000 Operationen, die sie gesichtet hat, kostenaufwändige Korrektureingriffe nötig waren.

In Deutschland müssen Ärzte nicht zwingend zum plastischen Chirurgen ausgebildet sein , um Schönheitsoperationen durchzuführen – dies hat das Bundesverfassungsgericht 2011 festgesetzt. Heißt mit anderen Worten: Jeder, der einen Doktortitel trägt, darf sich an Nasen, Schlupflidern oder eben Brüsten versuchen und braucht seine Komplikationsrate nicht einmal offenzulegen. Bei den gut beschäftigten Operateuren kommt es schnell zu drei, vier lukrativen Eingriffen pro Tag. „Auf Dauer wird man bei diesem Tempo betriebsblind“, sprich: fahrig und unaufmerksam für Fehlerquellen. Das erklärt Dr. Sven von Saldern, der lange Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie war, gegenüber „Welt“ und „Frontal21“.

So hässlich kann die Schönheits-OP enden
Patientinnen, die sich für Schnäppchen-Brüste entscheiden, riskieren ein unästhetisches Ergebnis, das mit dem natürlichem Busen, den sie sich gewünscht haben, nichts zu tun hat – und noch viel mehr als das: Minderwertiges Silikon, das aus dem Kissen austreten kann, ist hochgradig schädlich. Erst im vergangenen Jahr sorgten Billig-Implantate der französischen Firma PIP für Schlagzeilen und führten auch bei operierten Frauen aus Deutschland zu gesundheitlichen Problemen.

Zudem berichten die Reporter von verletztem Brustgewebe, das in mehreren Folge-Eingriffen wiederhergestellt werden musste, und von freiliegenden Implantaten, da die Operationswunden nicht verheilten. Sie öffneten und infizierten sich, begannen zu nässen und führten unweigerlich zur Not-OP. Die entstehenden Kosten für derartige Komplikationen werden höchstens teilweise von der Krankenkasse übernommen und steigen ruckzuck in den fünfstelligen Bereich. Von einem guten Preis kann hier keine Rede mehr sein.

Aber: Es gibt nicht nur schwarze Schafe!
Frauen, die mit ihrem Busen unglücklich sind, brauchen sich von diesen Horror-Fällen nicht entmutigen zu lassen. Natürlich gibt es auch sehr fähige Beauty-Docs auf dem Markt. STYLEBOOK.de sprach mit einem von ihnen – Prof. Dr. med. Jörg Borges, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie aus Freiburg – und stellte ihm die wichtigsten Fragen.

► Wie finde ich einen guten Schönheitschirurgen?
Prof. Borges rät dringend zum Facharzt. Denn – auch wenn immer mehr Mediziner wie Zahnärzte oder Dermatologen sich in der Schönheitschirurgie versuchen: „Langfristige Sicherheit kann nur ein erfahrener Brustchirurg gewährleisten“, weiß der Experte. Als erste Orientierungshilfe empfehlen sich Tipps aus dem Bekanntenkreis oder das Online-Portal der Fachgesellschaft der Plastischen Chirurgen (DGPÄC). Hier sind nur Ärzte verzeichnet, die im Anschluss an ihr Medizinstudium eine mindestens sechjährige Extra-Ausbildung für  ästhetische und plastische Chirurgie absolviert haben. Wie in der „Welt“- und „Frontal21“-Reportage erklärt wurde, prüft Acredis (freiwillige) Fachärzte auf ihre Fallzahlen, Patientenzufriedenheit und Prozessqualität. Haken: Bislang machen nur 40 Deutsche mit.

► Wieviel muss eine Brust OP kosten?
„Das hängt davon ab, welche Art von Eingriff geplant ist“, so Prof. Borges – also eine Brustvergrößerung, -verkleinerung und/oder -straffung. Dennoch: Patientinnen können stutzig werden , wenn für die OP weniger als etwa 6.000 Euro veranschlagt werden. „Die Klinikgebühr, der Narkose-Arzt, die Implantate selbst – all das hat seinen Preis“.

► Woher weiß ich, ob ich einem Arzt vertrauen kann?
Fragen Sie im Beratungsgespräch unbedingt, wieviel Erfahrung Ihr Gegenüber mit Ihrem Wunscheingriff hat. Er sollte ihn schon häufig durchgeführt haben, nicht jedoch öfter als 400 Mal in einem Jahr – das würde auf Fließbandarbeit und einen wenig gewissenhaften Umgang mit dem einzelnen Patienten hindeuten. Der Chirurg sollte Technik, Ablauf und Risiken der OP erläutern und für weitere Fragen erreichbar sein, die sich im Anschluss an das Gespräch beim Patienten ergeben können – auch außerhalb der regulären Praxis- oder Klinikzeiten. Wichtig ist auch, dass er sich mit den Beweggründen für den Eingriff auseinandersetzt. Entpuppen diese sich als spontane, unüberlegte Idee, sollte er davon abraten.