Vogue Arabia polarisiert

Geht Gigi Hadid mit diesem Cover zu weit?

Jeannette Petersmann, 03. März 2017

Bereits 17 Mal schmückte Gigi Hadid (21) die Vogue-Cover der verschiedenen Länder. Doch jetzt landet das Topmodel einen Supercoup: Sie schmückt den Titel der Erstausgabe der arabischen Vogue – und sorgt damit für Diskussionsstoff.

Gigi Hadid ist Gesicht von Tommy Hilfiger, It-Girl von Hollywood, heißbegehrter „Victoria´s Secret“-Engel und läuft für jeden namenhaften Designer über den Laufsteg. Nun setzt sie ihrer Karriere noch ein Sahnehäubchen bzw. Schleier auf. Die 21-Jährige zeigt sich jetzt nämlich mit bestickter Kopfbedeckung auf der ersten Ausgabe der „Vogue Arabia“. Ungewöhnlich, weil ein nicht-arabisches Model das Cover schmückt? Nicht wirklich, die Amerikanerin besitzt nämlich zur Hälfte palästinensische Wurzeln.

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Gigi hat palästinensische Wurzeln

Denn ihr Vater Mohamed Hadid (68) stammt ursprünglich aus Palästina. In jungen Jahren kam der Immobilienentwickler nach Amerika und baute sich in kürzester Zeit ein millionenschweres Imperium auf. Für seine Tochter Gigi ist es daher mehr als eine Ehre, das erstes „Vogue Arabia“-Titelmädchen zu sein. Auf ihrer Instagram-Seite postete sie das Coverbild und kommentierte dazu: „Als Halb-Palästinenserin bedeutet mir das alles, auf dem ersten Cover der 'Vogue Arabia' zu sein“. So postete eine Twitter-Nutzerin: „Also Gigi Hadid wird dafür gefeiert, einen Hijab zu tragen, weil es 'Mode' ist. Währenddessen werden Frauen, die wirklich einen Hijab tragen, attackiert, beschämt und bedroht.“ Und Twitterin Fatmeh schrieb: „Gigi kann einen Hijab tragen und ihn zum Mode-Statement machen, aber wenn ich ihn trage, werde ich unterdrückt.“

Historischer Moment oder falscher Weg?

Die arabische Editon ist der 22. Ableger der legendären Vogue-Magazine des Condé Nast Verlags. Bereits im Oktober 2016 startete der zweisprachige (arabisch und englisch) Online-Auftritt von „Vogue Arabia“, nun erscheint am 5. März die erste Print-Ausgabe, die arabische Länder wie Marokko, Tunesien, Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, Kuwait, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate mit modischen News versorgen will. Sitz des Redaktion ist Dubai (Vereinigte Arabische Emirate). Im Gegensatz zum erzkonservativen, islamischen Saudi-Arabien, gelten die Vereinigte Arabische Emiraten als gemäßigt-liberal – auch Frauen gegenüber. So leitet die arabische Prinzessin Deena Aljuhani Abdulaziz (41) aus Riad (sie lebt außerdem in New York) das neue Luxus-Magazin. Die Chefredakteurin wagt mit der „Vogue Arabia“ den Balanceakt: In der ersten Vogue des gesamten Nahen Ostens will sie den westlichen Lifestyle präsentieren – mit Rücksicht auf die Traditionen der Region. So findet man Tipps für Haarstylings unter einem Schleier, die neuen Kleider-Trends müssen immer die Knie bedecken oder es werden in Shootings Designer-Abayas (islamische Gewänder für Frauen) präsentiert. Politische Themen wie die Diskriminierung von Frauen in vielen Ländern der arabischen Welt werden wohl jedoch nicht auf den Titel kommen, wie Deena Aljuhani Abdulaziz in einem Interview mit „Bild“ verriet. Ob das der richtige Weg ist? Immerhin könnte die Chefredakteurin ihr Medium ja auch als Sprachrohr für genau diese Dinge nutzen.

#voguearabiaisme @voguearabia @gregkadelstudios @paulcavaco

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So reagiert der Markt

Fakt ist, dass immer mehr Designer und Modemarken die muslimische Zielgruppe entdecken. So launchte Dolce & Gabbana bereits vor einem Jahr eine modische „Hijab-Kollektion“.  Und auf der aktuellen Fashion Week buchten Alberta Ferretti und Max Mara das hijabtragende Model Halima Aden (19) aus Somalia für ihre Shows.

Nach Asien ist nämlich der Mittlere Osten der größte Abnehmer für Luxuswaren. So gaben laut einem Report der Nachrichtenagentur Reuters Muslima weltweit über 266 Milliarden Dollar für Kleidung und Schuhe 2013 aus. Im Jahre 2019, so sind sich Experten sicher, wird sich die Summe auf 484 Milliarden Dollar verdoppeln.

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